Ich finds ja grundsaetzlich gut, das ich ein sehr tiefdenkender, feinfuehliger und
sensibler Mensch bin. Aber manchmal wuenschte ich, es waere etwas weniger
von all dem.
Derzeit machen mir Situationen zu schaffen. Alptraeume, nah am Wasser gebaut, koerperliche Reaktionen (Frauenkram, wie immer bei seelischem Stress).. ich bin genervt, versinke oft tief in mir und muss doch aufpassen, nicht zu sehr (alleine) abzutauchen. Ich kann es teilen. Mich anlehnen. Das tut gut. Aber manchmal ist es auch ein Fluch, so zu sein..
Alptraeume
Monate spaeter…
Wo fang ich an?
Seit Tagen den Drang, zu schreiben. Hin und her ueberlegt, ob ich das mir und denen, die hier ab und zu reinschauen, antue. Immer, wenn ich meine ganz alten Eintraege lesen, denke ich.. “los, ab, schreib schreib”. Aber so offen zu sein, faellt mir schwer. Oberflaechlich zu bleiben, ebenfalls….
Nun, versuche ichs mal..
Gefesselt
Da hab ich ja ganz schoen doll den Mund aufgerissen.. “Montag geh ich hin”.. bin dann Samstag nachmittag freiwillig ins KH gefahren, weil ichs nicht ausgehalten habe vor Schmerzen. Durfte dann stationaer bleiben, wurde Montags operiert und habe eine Schiene zwischen Niere und Blase bekommen. Es fuehlt sich genauso furchtbar an wie es klingt. Tut weh. Unangenehm. Nach 3 weiteren Tagen durfte ich nach Hause, muss aber naechste Woche Montag zu einer weiteren OP ins Krankenhaus. Dann werden die Nierensteine entfernt. Grossartig. *seufz*
Ansonsten, nervt es mich masslos, zuhause an Couch und Bett “gefesselt” zu sein. Ich habe meine neue neue Aktivitaet geliebt und grad erst genossen, jetzt kann ich wieder nichts machen. Jede Anstrengung tut weh, viel sitzen geht nicht. Also liege ich viel herum, lese, schaue fern. Ich versuche, mich nicht in die Zeit vor 7 Monaten zu versetzen, wo ich bewegungsunfaehig war, sondern mir einzureden, das in 2 Wochen alles wieder gut ist. Aber es ist schwer, sich zu motivieren.
Morgen kommen endlich meine bestellten Buecher.
Erschoepft…aber es geht weiter..
Ich bin muede. Erschoepft. Innerlich wie koerperlich.
Gestern abend hatte ich ein langes, anstrengendes Gespraech. Es ging um das hier.
Es war kein “Kampf” um eine alte Freundschaft. Eher so ein “Och joa, wo wir grad mal schreiben, also ich wuerd ja gern wieder..”. Ich habe viele Fragen gestellt, einige Antworten bekommen, aber irgendwie blieb ein komisches Gefuehl und ich habe mich entschieden, “nein” zu sagen. Bewusst eine Freundschaft abzulehnen.
Ich mag nicht mehr. Ich kann das nicht. Die Verletzung war zu tief und ich hatte.. habe abgeschlossen damit.
Ich muss aufhoeren, “um der alten Zeiten willen” Dinge aufleben zu lassen. Was damals toll war, muss es heute nicht auch sein. Ich koennte nicht mehr vertrauen und welchen Sinn hat es dann?
Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken. Heut nacht um 3 war ich wach, unfassbare Schmerzen in der Nierengegend und 2 Stunden spaeter, als das rettende Ibuprofen versagte, weckte ich meinen Mann und bat ihn, mich in die Klinik zu fahren. Er war hellwach, als ich sagte “Ich habe Schmerzen.” Normalerweise bin ich eher nachlaessig mit mir und geh nicht so schnell zu nem Arzt. Es muss wehtun, wenn ich sowas also freiwillig sage. Wir zogen uns also an und fuhren ins Krankenhaus, wo ich 9 (!!) Stunden verbrachte. Bluttests, Roentgen, letztend brachte das CT die Diagnose “Nierenstein links”.. na prima. Also ab zur urologischen Klinik, die mich direkt dabehalten wollten. Aber ich wollte nicht. Jetzt am Wochenende passiert da eh nichts. Montag geh ich hin. Ganz sicher. Bin gut mit Schmerzmitteln eingedeckt, wird schon, bis dahin.
Neue Brille
7 Monate danach
In meinem Forum für Adipositas wurde gefragt, ob man seine OP bereut hat.
Ich habe dazu folgendes geschrieben:
Ob ich meinen Schlauchmagen bereut habe?
Die OP ist bei mir nun 7 Monate her. 70% der Zeit war ich glücklich, diesen Schritt
getan zu haben und würde auch heute sagen: Es ist die beste Entscheidung, die ich
treffen konnte. Aber diese 30%, die ich nicht gluecklich war, darf man nicht vergessen.
Ich habe so oft Momente gehabt, wo es mir schlecht ging, wo ich Essen nicht
vertragen habe, wo ich nicht trinken konnte, aber durstig war, wo meine Seele das
alte Leben wiederhaben wollte, wo die Ausmaße meiner Essstörung zum Vorschein
kamen. Auch heute habe ich diese Momente, keine Frage. Aber jetzt so langsam
gewöhn ich mich ans wenige Essen, ans Verzichten, ans Aufteilen, Verschieben.
Das ist etwas, was Dir in der Anfangszeit niemand beibringt. Klar sagt jeder “Du darfst
nur noch kleine Portionen essen.” Was das aber wirklich bedeutet, sagt Dir niemand.
Das Du Dein Leben umstellst.. das Du eigentlich nur ne Blockade im Magen hast, Dein
Kopf aber weitermachen will, das Du Deiner Sucht fröhnen willst, auch unvernünftig
sein willst, da bringt Dir niemand bei, mit umzugehen.
Ich habe das Glück, das die Abnahme bei mir sehr gut verläuft. Ich weiss nicht, wie
es mir gehen würde, wenn es anders wäre.
Ich bin glücklich über die Lebensqualität, die ich gewonnen habe und jeden Tag dazu
erhalte. Ich bin unfassbar dankbar, wenn ich mir die Socken anziehen kann, und
dabei mein Bein an den Körper ziehen kann, wie schlanke Frauen es immer tun.
Ich bin amüsiert, wenn ich merke, wie sich meine Interessen verändern, weil ich
wieder laufen kann, weil ich mich bewegen kann. Wie es mich annervt, zuhause
“festgetackert” zu sein.
Es gab mal die Frage, ob man stolz sein kann, weil man sich ja “nur” hat operieren
lassen und ich hab oft gedacht, nee..es war ja nicht mein Verdienst. Hab ja ne OP
bekommen.
Aber verdammte Sche****.. ich kämpfe so hart jeden Tag dafür, nicht
in alte Verhaltensmuster zu fallen, ich hab mir das verdient, stolz zu sein und auch,
es zu geniessen und ebenfalls mit hocherhobenem Haupt durch die Strassen zu
gehen. Wie hart es ist, sagt einem niemand. Das muss man erleben, lernen. Sich
sehr sehr bewusst darüber sein, wieviel Arbeit es ist, wie man sich ändern muss.
Ich erwisch mich heut noch, wie ich nasche, wie ich (wie damals) Essen in mich
stopfe. Aber wenn ich mich dabei erwische, leg ich es weg und denke “gut, dann
ist die Mahlzeit gleich gestrichen, die Du Dir machen wolltest.” Mein Magen gibt mir
noch die Grenzen an, aber was, wenn er das nicht mehr tut? In einem Jahr, in
zwei Jahren? Auch bei mir ist die Angst da, was dann passiert. Denn eins weiss ich:
Das Leben hier geb ich nicht wieder her.
Was ich Leuten rate, die über eine OP nachdenken?
Mach es. Hol Dir Dein Leben zurück. Aber verabschiede Dich bewusst von dem
alten Dasein, denn das kriegst Du nie zurück.
Neue Kräfte…
Es gibt Situationen in unserem Leben,
in denen wir uns
verletzt oder einsam fühlen…
Aber ich glaube, daß diese Zeiten,
in denen wir ziellos umherirren
und alles um uns herum zu zerbrechen scheint,
eigentlich eine Herausforderung für uns sind.
Wir versuchen verzweifelt,
an der Sicherheit der Vergangenheit festzuhalten,
aber ganz unwillkürlich
überwinden wir alle Probleme
und erlangen ein neues Verständnis,
ein neues Bewußtsein und neue Kräfte.
Es ist fast so,
als müßten wir diesen Schmerz
und diesen Kampf durchmachen,
um zu wachsen
und neue Höhen zu erreichen.
(Sue Mitchell)
oder anders gesagt:
Nachwehen
Eine Woche “danach” bin ich immer noch angeschlagen. Doch mittlerweile habe ich die Kraft gefunden, zwei Menschen davon zu erzählen, die es wissen sollten und drüber reden tut gut. Auch wenn ich wohl zuweilen komisch und unverständlich angesehen werde.. virtuell angesehen werde. Aber ich habe ein Recht darauf, verletzt zu sein. So langsam reichts jedoch. Keinen Bock mehr. Jede Minute ist verschwendet.
Heute gibts Gulasch mit Nudeln. Ich glaube, so langsam gewöhnt mein Mann sich daran, das er gute Dinge zu essen bekommt. Gesundes, frisches Essen. Ich hab eine neue Leidenschaft: Ich koche. Ich mag es voll gern, in der Küche rumzuhantieren, auszuprobieren und zu experimentieren und freue mir den Pobbes ab, wenn es meinem Mann dann auch noch schmeckt. Ich glaube, so schlecht bin ich da gar nicht drin. Hab wohl einfach zu wenig Mühe reingesteckt die letzten Jahre, aber das ändert sich ja alles.
65 kg Gesamtabnahme seit Mitte Juni. Ich glaube, darauf kann ich stolz sein. Ich esse immer noch sehr wenig, aber die Auswahl der Dinge, die ich vertrage, wird wieder grösser. An guten Tagen kann ich sogar ein halbes Brötchen essen. Zu scharfe Dinge gehen allerdings noch nicht. Das hindert mich natürlich nicht daran, für meinen Mann scharf zu kochen :)
Mir gehts total gut, so gesehen. Ich bin fit wie nie, ich bin unterwegs, ich bin motiviert, Dinge zu tun, zu erledigen und nach einigen Tagen zuhause fällt mir die Decke auf den Kopf. Ich freue mich aufs Frühjahr und auf eine neue Art Sommer.
Lebenserhaltungssong:
37
Die Maus meint, 37 klingt etwa 10 Jahre älter als 36. Ich bin nicht sicher. Ich will das auch gar nicht. Sonst müsste ich mich alt fühlen. *shrug*
Dieser Geburtstag ist .. zwiespältig. Einerseits bin ich endlos traurig, enttäuscht. Wütend. Ich habe eine für mich unsagbar wichtige Freundschaft verloren. Ich wurde betrogen, hintergangen, verletzt. Ich leide, ich trauer.
Ich bin sprachlos ob dieser Dinge. Aber ich bin auch hoffnungsvoll. Es wird weitergehen, wie immer.
Ich hab mich halt getäuscht. Passiert halt. Werde mich wieder auf die Menschen stützen, die wirklich da sind. Auch wenn ich genau das dort auch dachte..
Früher hätte ich sehr viel mehr dazu geschrieben. In voller Vielfalt meine Gefühle rausgelassen. Aber das kann ich nicht mehr. Ich wills auch nicht mehr. Ich habe früher so intensive Texte geschrieben, das es mich heute noch berührt, wenn ich sie lese. Aber ich glaube, diese Zeiten sind vorbei. Geht nicht mehr.
Ich werd einfach schlafen gehen ;-)
Die unstillbare Gier
So fit ich ja nun auch bin und so gern ich auch unterwegs bin, gibt es eine Sache, die mir immer noch Magenschmerzen bereitet. Das Arbeitsamt. In meinem Kopf habe ich diese Horrorvorstellungen von Massen an jungen Menschen, die am Eingang stehen und mich dumm anglotzen.
Das Schlimme ist.. ich muss da nun hin. Ich habe einen Job angeboten bekommen, den ich nur zu gern machen würde. Nur möchte mein potentieller Arbeitgeber es gern über eine Wiedereingliederungsmassnahme versuchen und dazu muss ich gemeldet sein. Das heisst.. ich werde nun duschen und tapfer dahinfahren. Die Zähne zusammenbeissen und … hoffen, das es nicht voll ist. Am Monatsende. *seufzt*
Ansonsten…bin ich eh grad gut im Zähne zusammenbeissen. Stark sein für denjenigen, dessen Freundin ihn nach Strich und Faden verarscht.. stark sein für die schwangere Freundin, die von Kommunikation mit ihrem Freund meilenweit entfernt ist.. stark sein für mich, weil ich so enttäuscht bin.
Stark sein für Dich, denn Du bist mir wichtig. Aber..ja. Überwältigt, sprachlos, leer.
Doch immer wenn ich nach dem Leben greif, spür ich wie es zerbricht.
Ich will die Welt verstehn und alles wissen, und kenn mich selber nicht.
Ich will frei und freier werden und werde meine Ketten nicht los.
Ich will ein Heiliger oder ein Verbrecher sein, und bin doch nichts als eine Kreatur
die kriecht und lügt und zerreißen muss, was immer sie liebt.
Wenn ich Dich nun frage: Sicher, das Du liebst?.. weiss ich, das Deine Antwort “ja” ist. Doch das wichtige Wort ist das “sicher”.. Bist Du wirklich, wirklich sicher? Spürst Du es? Zerreisst es Dich? Weisst Du, wie sich Liebe anfühlt? Bist Du Dir im Klaren, das Liebe Prioritäten setzt? Bist Du Dir im Klaren, das Du niemals glücklich wirst, wenn Du verrätst, für Quantität?
Eins verstehe ich jedoch wirklich..
Doch alle Hoffnung ist vergebens: Denn der Hunger hört nie auf.
Doch alles im Leben hat Grenzen und auch starke Menschen sind nicht unzerbrechlich.
Wütend.
Ich schreibe eindeutig zu wenig. Ich habe immer nur dann Muße zu schreiben, wenn ich es nicht kann.
Paradox.
Es geht mir gut, derzeit. Ich bin gedanklich viel unterwegs und körperlich auch ein bisschen.
Wir haben uns wieder ein Auto gekauft und nun geht es wirklich aufwärts. Mobil sein. Freunde treffen.
Freunde..sind virtuelle Vertraute Freunde? Kann man so vertrauen? Loyalität, Ehrlichkeit erwarten, bei und von
Menschen, die man noch nie im Leben gesehen hat? Die man nur durch Stimme und Charakter kennt, wenn auch über Jahre? Ich weiss es nicht mehr.
Manchmal passieren Dinge, die mich an sowas zweifeln lassen, auch wenn ich bisher diese Art der “Freundschaft” und Kommunikation sehr genossen und gelebt habe. Aber ich zweifle.
Vielleicht braucht es doch mehr. Vielleicht fehlt doch das letzte bisschen Realität, um die Qualität zu erreichen, die ich mir für mich und mein Leben wünsche. Ich glaube, derartige Bekanntschaften.. “Freundschaften”.. sind vergänglich. Oder sie reichen meinen Ansprüchen nicht. Keine Ahnung.
Ich bin wütend. Wütend über leere Worte, leere Versprechungen. Darüber, mich in Menschen getäuscht zu haben. Darüber, das Menschen unehrlich sind, nicht offen sein können, nicht reden können. “Ich weiss nicht, was ich sagen soll”.. Es geht mir nicht in den Kopf, wie man so leben kann. Es geht mir nicht in den Kopf, wie man Beziehungen leben kann, ohne offen miteinander umzugehen und Dinge auszusprechen.. wer ewig schluckt, der stirbt von innen..
Vorhin sagte jemand zu mir.. “Ich bin zu alt für diese Dinge.”
Vielleicht sollte ich darüber nachdenken.
Sehnsucht nach Me(h)er..
Und der Mond scheint hell auf mein Haus am See..
Orangenbaumblätter liegen auf dem Weg..
Heut mittag war ich zur Krankengymnastik. Als ich danach draussen auf mein Taxi wartete, stellte sich Urlaubsfeeling ein. Völlig abnormal, auf nem Parkdach mitten in der Stadt. Aber.. irgendwas war da.
Ich hab dort gestanden, der Wind fegte durch meine Haare. Rund um mich herum nur die Dächer der Häuser, ein paar Baumwipfel. Der Himmel und der Wind. Irgendwie war die Welt zum Greifen nah. Ich war sprachlos. Konnte meine Gedanken nicht ordnen. Dachte nur immer.. “ich kann den Himmel anfassen”.
Ich glaube.. ich lebe einfach wieder..
… wieviel ist mir entgangen in den letzten Jahren?..
Hmpf.
Blöder Abend, blöde Stimmung. Fühl dauernd jemanden auf meinen Füssen rumtrampeln.
Ich verkriech mich ins Bett.
Nachtstimmung..
.. ganz für mich alleine. Das habe ich gebraucht.
Seit etwa 20 min höre ich laute Musik über den Kopfhörer. Direkt, als ich es endlich umgestellt bekam von Laptop auf Kopfhörer, kam das Lied. Als wenn es gespürt hat, das ich es jetzt brauche. Laut in meinem Ohr. Mein Lied, mein Seelenlied.. “I’m so tired of being here .. Suppressed by all my childish fears ..And if you have to leave I wish that you would just leave … Cuz your presence still lingers here …And it wont leave me alone”
Es war einer dieser so typischen Momente der letzten Zeit. Streit, Schweigen. Annähern. Vertrautheit, Nähe. Bäm. Es tat weh, und eh ich irgendwas denken oder was anderes fühlen konnte, als diesen Schmerz, waren da die Tränen und eine beklemmende Stille, einige Momente lang. Du bist mir viel zu nah, doch niemals nah genug.. Ich weiss nicht, was los ist. Irgendwas stimmt nicht, irgendwas läuft falsch. Ich erkenne mich selbst nicht wieder, ich bin doch sonst nicht mit so wenig zufrieden. Aber ist es wenig oder doch nur anders? Ich denke seit Tagen drüber nach. Der Preis ist hoch und ich bin nicht bereit, ihn zu zahlen.
Bin ich so empfindlich? Was ist anders? Sich mal real in die Augen zu schauen, nach so langer Zeit.. es sollte was auslösen. Es sollte nicht egal sein. Ich hab so oft für Dich gelogen..
Ich bin verwirrt. Mein Kopf ist leer. Ich kann keinen klaren Gedanken fassen.